„Now as we call every thing custom, which proceeds from a past repetition, without any new reasoning or conclusion, we may establish it as a certain truth, that all the belief, which follows upon any present impression, is deriv’d solely from that origin.“ – David Hume, 1711 – 1776, A Treatise of Human Nature, 1.3.12
Hume formuliert hier den Kern seiner skeptischen Erkenntnistheorie: Unsere Überzeugungen entspringen nicht rationaler Deduktion, sondern bloßer Gewohnheit. Die Passage attackiert den rationalistischen Glauben, Kausalität sei logisch ableitbar. Wenn wir erwarten, dass die Sonne morgen aufgeht oder Brot sättigt, basiert dies nicht auf logischer Notwendigkeit, sondern auf wiederholter Erfahrung. Die „custom“ ersetzt bei Hume jede metaphysische Begründung von Wissen – ein radikaler Bruch mit scholastischer und cartesianischer Tradition.
Diese Position untergräbt systematisch religiöse Gewissheiten. Wenn selbst Kausalität nur auf Gewohnheit beruht, entfällt die Grundlage für kosmologische Gottesbeweise. Die Annahme eines „ersten Bewegers“ wird zur bloßen Projektion menschlicher Denkgewohnheiten. Humes Empirismus lässt keinen Raum für apriorische Wahrheiten göttlichen Ursprungs. Vernunft wird von ihrer privilegierten Position gestürzt: Sie kann Erfahrungen ordnen, aber keine transzendenten Realitäten erschließen. Dieser erkenntnistheoretische Naturalismus bildet das philosophische Fundament für Humes spätere religionskritische Schriften, insbesondere die „Dialogues Concerning Natural Religion“, wo er theistische Argumente systematisch dekonstruiert.
David Hume, schottischer Aufklärer und skeptischer Empirist, verfasste den „Treatise of Human Nature“ mit kaum 26 Jahren – ein Werk, das zunächst „stillgeboren“ blieb, wie er selbst bitter bemerkte. Hume entwickelte darin eine konsequent naturalistische Philosophie des Geistes, die menschliches Denken als mechanischen Assoziationsprozess beschreibt. Seine Analyse von Kausalität, Identität und Induktion erschütterte die Fundamente rationalistischer Metaphysik. Als Historiker, Ökonom und Essayist erlangte er später gesellschaftlichen Erfolg, blieb aber philosophisch isoliert.
Seine atheistische Grundhaltung musste Hume zeitlebens verschleiern – die „Dialogues“ erschienen erst posthum. Dennoch durchzieht seine Werke ein methodischer Atheismus: Die Annahme göttlicher Intervention wird konsequent ausgeschlossen, Religion als psychologisches und soziales Phänomen analysiert. Humes Reduktion von Erkenntnis auf Gewohnheit eliminiert jede Sonderstellung theologischer Wahrheitsansprüche. Der Mensch erscheint als „bundle of perceptions“, determiniert durch Assoziationsgesetze – eine Vision, die jeden immateriellen Seelensubstanz und damit traditionelle Unsterblichkeitslehren obsolet macht. Sein Empirismus wurde zum philosophischen Werkzeug der Säkularisierung.
