The daily philosopher

„Mach dir deine eigenen Götter, und unterlasse es, dich mit einer schnöden Religion zu beflecken.“ – Epikur von Samos, ca. 341 – 271 v.u.Z.

Dieses Zitat, das Epikur zugeschrieben wird, komprimiert ein zentrales Anliegen der epikureischen Philosophie: die radikale Trennung zwischen einer möglichen Götterwelt und der menschlichen Lebenspraxis. Epikur leugnete die Existenz der Götter nicht grundsätzlich – er siedelte sie vielmehr in den Intermundien an, jenen Zwischenräumen zwischen den Welten, wo sie in vollkommener Ataraxie (Seelenruhe) existieren, ohne sich um menschliche Angelegenheiten zu kümmern. Die Pointe liegt in der Umkehrung: Nicht die Götter sind das Problem, sondern die Religion als institutionalisiertes System der Furcht.

Der Begriff „schnöde Religion“ zielt auf die kultischen Praktiken seiner Zeit, die auf Opfern, Gebeten und vor allem auf der Furcht vor göttlicher Bestrafung basierten. Epikur erkannte in dieser Furcht – neben der Todesfurcht – das Haupthindernis menschlichen Glücks. Seine Aufforderung, sich „eigene Götter“ zu machen, ist keine Anleitung zum Polytheismus, sondern zur Autonomie: Der Mensch soll sich seine Ideale selbst setzen, statt sich fremden Autoritäten zu unterwerfen.

Epikur gründete um 307 v.u.Z. in Athen seinen berühmten „Garten“, eine philosophische Schule, die sich bewusst von der Polis abgrenzte. In dieser Kommune lebten Männer und Frauen, Freie und Sklaven gemeinsam – ein für die Antike revolutionärer Ansatz. Von seinen über 300 Schriften sind nur Fragmente und Briefe erhalten, darunter der „Brief an Menoikeus“, der sein ethisches Programm darlegt. Seine Atomlehre, übernommen von Demokrit, bildete die Grundlage für einen konsequenten Materialismus: Alles ist aus Atomen zusammengesetzt, auch die Seele, die mit dem Körper stirbt.

Die römische Nachwelt verurteilte Epikur oft als Hedonisten im negativen Sinne. Tatsächlich verstand er unter Lust (hedone) primär die Abwesenheit von Schmerz und Angst. Sein „atheistisches Gedankengut“ war weniger militant als therapeutisch: Er wollte den Menschen von irrationalen Ängsten befreien. Das Zitat formuliert damit ein aufklärerisches Programm avant la lettre – die Emanzipation des Individuums von religiöser Bevormundung durch selbstbestimmtes Denken.

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