Atheismus
Atheismus (von altgriechisch ἄθεος átheos, „gottlos“, zusammengesetzt aus a- „ohne“ und theós „Gott“) bezeichnet die Position oder Weltanschauung, die die Existenz von Gott oder Göttern verneint oder ablehnt. Im weiteren Sinne wird der Begriff auch für das Fehlen eines Glaubens an übernatürliche Gottheiten verwendet. Eine Person, die diese Position vertritt, wird als Atheist bzw. Atheistin bezeichnet.
Begriffliche Abgrenzung
Man unterscheidet häufig zwischen zwei Ausprägungen von Atheismus bzw. entsprechend zwei Typen von Atheisten:
- Starker (positiver) Atheismus: die aktive Behauptung, dass es keine Götter gibt. Ein Atheist dieser Ausrichtung vertritt aktiv den Standpunkt, dass Götter nicht existieren.
- Schwacher (negativer) Atheismus: das bloße Fehlen eines Gottesglaubens, ohne aktiv dessen Nichtexistenz zu behaupten. Ein Atheist in diesem Sinne glaubt schlicht nicht an Götter, ohne dies notwendigerweise zu beweisen oder zu behaupten, dass es keine gibt.
Abzugrenzen ist der Atheist vom Agnostiker, der die Frage nach der Existenz Gottes für grundsätzlich unentscheidbar oder unbekannt hält, sowie vom Deisten, der zwar einen Schöpfer annimmt, diesem aber kein weiteres Eingreifen in die Welt zuschreibt.
Geschichte
Atheistische oder gottkritische Gedanken finden sich bereits in der Antike, etwa bei einigen Vorsokratikern und in Strömungen der indischen Philosophie wie dem Charvaka. In der Aufklärung des 18. Jahrhunderts gewann der Atheismus als explizite philosophische Position an Bedeutung, unter anderem durch Denker wie Baron d’Holbach, der als einer der ersten offen bekennenden Atheisten Europas gilt. Im 19. und 20. Jahrhundert prägten Philosophen wie Ludwig Feuerbach, Karl Marx, Friedrich Nietzsche und Sigmund Freud religionskritische Theorien, die göttliche Vorstellungen als menschliche Projektionen oder gesellschaftliche Konstrukte deuteten — sie selbst gelten heute als bekannte Atheisten. Im 20. Jahrhundert war Atheismus zudem in kommunistischen Staaten häufig offizielle Staatsdoktrin. Seit den 2000er Jahren erlangte der sogenannte Neue Atheismus durch prominente Atheisten wie Richard Dawkins, Christopher Hitchens und Sam Harris mediale Aufmerksamkeit durch eine besonders wissenschaftsbasierte und religionskritische Argumentation.
Philosophische Begründungen
Atheisten stützen ihre Position unter anderem auf:
- das Theodizee-Problem (die Unvereinbarkeit von Leid in der Welt mit einem allmächtigen, gütigen Gott),
- das Prinzip der Beweislast (wer eine Existenzbehauptung aufstellt, müsse sie belegen),
- naturalistische Weltbilder, die religiöse Erklärungen als durch wissenschaftliche ersetzbar ansehen,
- Kritik an der inneren Widersprüchlichkeit religiöser Konzepte.
Verbreitung
Atheisten sind weltweit unterschiedlich stark vertreten. Besonders hohe Anteile atheistischer oder nichtreligiöser Menschen finden sich unter anderem in Teilen Ostasiens sowie in einigen europäischen Ländern, während Atheisten in vielen anderen Regionen der Welt eine gesellschaftliche Minderheit darstellen.
Kritik und Kontroversen
Kritiker werfen Atheisten mitunter vor, selbst einer Art Glaubenssystem anzuhängen oder ethische Fundierungen zu vernachlässigen. Atheisten entgegnen häufig, dass Moral unabhängig von religiösen Vorstellungen begründbar sei, etwa durch säkulare Ethiktheorien (z. B. Utilitarismus, Kantianismus).
