„Alles, was wir hören, ist eine Meinung, keine Tatsache. Alles, was wir sehen, ist eine Perspektive, nicht die Wahrheit.“ – Mark Aurel, Selbstbetrachtungen, 4.3
In diesem Zitat von Mark Aurel wird eine fundamentale Skepsis gegenüber der menschlichen Wahrnehmung und der Konstruktion von Wissen formuliert. Aurel betont, dass das, was wir hören und sehen, nicht als absolute Wahrheit betrachtet werden kann. Diese Unterscheidung zwischen Meinung und Fakt sowie zwischen Perspektive und Wahrheit reflektiert die philosophische Strömung des Skeptizismus und ist zentral für die stoische Ethik, die eine innere Gelassenheit anstrebt, unabhängig von äußeren Umständen.
Die Aussage impliziert, dass der Mensch über seinen Sinneseindruck hinausdenken und kritisch hinterfragen sollte, was ihm begegnet. Sie fordert dazu auf, sich der Subjektivität von Informationen bewusst zu sein und die eigene Wahrnehmung als Filter für die Realität zu erkennen. Dies hat erhebliche Implikationen für die Selbstreflexion und die Interaktion mit der Welt: Ein gewisses Maß an Misstrauen in das Gehörte und Gesehene kann zu einem tieferen Verständnis der Komplexität menschlicher Erfahrungen führen. Aurel macht deutlich, dass Wahrheit niemals absolut ist, sondern vielmehr das Produkt individueller Interpretationen darstellt.
