Der tägliche Stoiker

„Nicht die Dinge selbst beunruhigen die Menschen, sondern ihre Urteile über die Dinge.“ – Epiktet, Enchiridion (Handbüchlein der Moral), Kapitel 5

Epiktets Aussage verdeutlicht die stoische Grundüberzeugung, dass das menschliche Leiden nicht aus äußeren Umständen resultiert, sondern aus den eigenen Bewertungen und Urteilen über diese Umstände. In dieser Perspektive sind Ereignisse und Objekte an sich neutral. Die emotionale Reaktion des Menschen – Freude, Trauer, Angst – hängt von der individuellen Deutung ab, die er ihnen verleiht. Diese Auffassung eröffnet eine wichtige philosophische Dimension: Durch eine bewusste Kontrolle und Reflexion der eigenen Urteile kann man sein emotionales Leiden beeinflussen.

Die Aussage hinterfragt zudem die Tendenz, äußere Umstände als determinierend für unser Wohlbefinden anzusehen. Sie ermutigt zu einer inneren Arbeit, die auf Selbstreflexion und -disziplin abzielt. Indem wir die Verantwortung für unsere Reaktionen übernehmen, können wir eine gewisse Gelassenheit gegenüber Unwägbarkeiten des Lebens entwickeln. Epiktet plädiert somit für eine Psychologie der inneren Freiheit, die nicht von äußeren Einflüssen abhängt, sondern von der Fähigkeit, eigene Perspektiven aktiv zu gestalten und zu überprüfen. Dies macht seine Philosophie zeitlos relevant und bietet praktische Werkzeuge für den Umgang mit den Herausforderungen des Lebens.

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