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Merkantilismus

Merkantilismus ist das Wirtschaftssystem des Absolutismus vom 16. bis zum 18. Jahrhundert. Das Hauptziel war es, die Staatskasse des Herrschers zu füllen, um das stehende Heer und den prunkvollen Hofstaat zu finanzieren. Der Reichtum eines Landes bemass sich damals primär an seinen Vorräten an Gold und Silber.
Die Kernstrategie: Export maximieren, Import minimieren
Das System basierte auf einer strengen staatlich gelenkten Wirtschaftspolitik mit folgenden Regeln:
  • Rohstoff-Import: Billige Rohstoffe aus dem Ausland oder aus eigenen Kolonien einführen.
  • Inlands-Verarbeitung: Diese Rohstoffe im eigenen Land zu teuren Fertigwaren verarbeiten (oft in Manufakturen).
  • Fertigwaren-Export: Die hergestellten Produkte mit hohem Gewinn ins Ausland verkaufen.
  • Import-Stopp: Einfuhrverbote oder extrem hohe Schutzzölle auf ausländische Fertigwaren, damit kein Geld das Land verlässt.
  • Rohstoff-Exportverbot: Eigene Rohstoffe durften nicht unverarbeitet exportiert werden.
Begleitende Massnahmen
  • Infrastrukturausbau: Bau von Strassen, Kanälen und Häfen, um den Inlandshandel zu beschleunigen.
  • Niedrige Löhne: Die Löhne der Arbeiter wurden künstlich niedrig gehalten, damit die Produkte im Ausland billig und konkurrenzfähig blieben.
  • Bevölkerungswachstum: Mehr Menschen bedeuteten mehr Arbeitskräfte und mehr Soldaten.
Sonderformen in Europa
Das System wurde je nach Land unterschiedlich stark ausgeprägt:
  • Colbertismus (Frankreich): Benannt nach Jean-Baptiste Colbert (Finanzminister Ludwigs XIV.). Der Fokus lag radikal auf der Förderung von staatlichen Manufakturen (z. B. für Luxusgüter wie Spiegel und Seide).
  • Kameralismus (Deutschland/Österreich): Hier stand neben dem Handel vor allem die Steigerung der heimischen Agrarproduktion und eine effiziente staatliche Finanzverwaltung im Vordergrund.