„Wie du am Ende deines Lebens wünschest gelebt zu haben, so kannst du jetzt schon leben.“ – Mark Aurel, Selbstbetrachtungen,
Mark Aurels Aussage ist ein zentraler Gedanke der Stoa, der den unmittelbaren Bezug zwischen Lebensgestaltung und der Vorstellung von einem erfüllten Lebensende thematisiert. Durch diese Formulierung wird der Leser aufgefordert, gegenwärtige Entscheidungen und Handlungen in Einklang mit den langfristigen Wünschen und Werten zu bringen. Dies impliziert eine reflektierte Lebensführung, die nicht von äußeren Umständen, sondern vom eigenen inneren Kompass bestimmt wird.
Der Imperativ, „jetzt schon leben“ zu können, weist auf die zeitliche Dimension des Lebens hin, die oft als linear empfunden wird. Statt auf ein ideales Lebensende zu warten, wird zur aktiven Gestaltung des gegenwärtigen Moments ermutigt. Dies spiegelt das stoische Streben nach innerer Ruhe und Klarheit wider, indem es die Kontrolle über das eigene Leben in den Mittelpunkt rückt.
Auf psychologischer Ebene hat diese Einsicht auch eine entlastende Funktion: Indem man sich bewusst macht, dass die Erfüllung eigener Wünsche bereits im Hier und Jetzt möglich ist, verringert sich der Druck, zukünftigen Erwartungen gerecht zu werden. Die direkte Verbindung zwischen gegenwärtigem Handeln und dem gewünschten Lebensrückblick ermutigt zu einem authentischeren Leben, das die daoistische Idee der Achtsamkeit und Präsenz in den Alltag integriert.
