Epikur

Epikur 341 – 270 v.u.Z

Epikur lebte von 341 bis 270 v. Chr. Er wurde auf der Insel Samos geboren, wo sein Vater als athenischer Kolonist eine Schule leitete, und wuchs unter dem Eindruck der politischen Unruhen nach dem Tod Alexanders des Großen auf. Mit etwa 18 Jahren ging er nach Athen, lebte danach einige Jahre in Kleinasien und gründete um 306 v. Chr. in Athen seine eigene Schule.

Der Garten

Epikurs Schule ist als „der Garten“ bekannt, weil er sie in einem Hausgarten am Rand Athens einrichtete. Anders als Platons Akademie oder Aristoteles‘ Lykeion nahm er auch Frauen und Sklaven als Mitglieder auf, was in der antiken Philosophie ungewöhnlich war. Über dem Eingang soll die Inschrift gestanden haben, hier sei das Vergnügen das höchste Gut, was Besucher zunächst abschreckte, aber vor allem ein einfaches, zurückgezogenes Gemeinschaftsleben unter Freunden meinte. Von seinem umfangreichen Werk, angeblich rund 300 Schriftrollen, sind nur wenige Briefe und Spruchsammlungen sowie Fragmente erhalten, dazu das Lehrgedicht „Über die Natur der Dinge“ seines späteren römischen Anhängers Lukrez, das die Lehre ausführlich darstellt.

Lust als Ziel, aber anders gedacht

Epikur lehrte, Lust sei das höchste Gut und Ziel des Lebens. Damit ist er weniger für Genuss im landläufigen Sinn bekannt, sondern für seine eher zurückhaltende Lebensweise. Er unterschied bewegte Lust, etwa beim Essen, von der ruhigen Lust der Schmerzfreiheit, die er für die wertvollere hielt. Sein Ziel war die Ataraxia, die Freiheit von seelischer Unruhe, verbunden mit Aponia, der Freiheit von körperlichem Schmerz. Wer diesen Zustand erreicht, brauche keine weiteren Genüsse mehr, um glücklich zu sein.

Dazu unterschied er drei Arten von Begierden: natürliche und notwendige wie Hunger und Durst, natürliche, aber nicht notwendige wie aufwendiges Essen, und eitle, unnötige wie Ruhm oder Reichtum. Nur die ersten solle man befriedigen, denn einfache Bedürfnisse ließen sich leicht und sicher stillen, während maßloses Verlangen immer neue Unruhe erzeuge. Ein einfaches Mahl aus Brot und Wasser könne so viel Freude bereiten wie ein üppiges, wenn man das Verlangen nach Luxus gar nicht erst entwickle.

Atomismus ohne Schicksal

In der Naturphilosophie übernahm Epikur die Atomlehre Demokrits, veränderte sie aber an einer entscheidenden Stelle. Bei Demokrit bewegen sich die Atome nach strenger Notwendigkeit. Epikur nahm an, Atome würden gelegentlich minimal und unvorhersehbar von ihrer Bahn abweichen, die sogenannte „Klinamen“ oder Schwenkung. Diese kleine Abweichung sollte erklären, wie in einer aus Atomen bestehenden Welt menschliche Freiheit überhaupt möglich ist, ohne dass alles vollständig determiniert ist.

Kein Grund, die Götter zu fürchten

Epikur bestritt nicht, dass es Götter gibt, hielt sie aber für vollkommen selige Wesen, die sich in keiner Weise um die Welt oder die Menschen kümmern. Ihm ging es vor allem darum, die Angst vor göttlicher Strafe und göttlichem Zorn als unbegründet zu entlarven, denn diese Angst hielt er für eine der größten Quellen menschlichen Leidens.

Ebenso wichtig war ihm, die Angst vor dem Tod zu nehmen. Sein berühmtestes Argument lautet: Solange wir sind, ist der Tod nicht da, und wenn der Tod da ist, sind wir nicht mehr. Der Tod geht uns demnach nie etwas an, weil wir ihn niemals erleben. Da die Seele für ihn, wie bei Demokrit, aus Atomen besteht, die sich beim Tod auflösen, gibt es kein Bewusstsein, das leiden könnte. Wegen dieser Haltung zu den Göttern und dem Jenseits wurde Epikur in späteren Jahrhunderten oft, meist zu Unrecht vereinfachend, als Atheist verschrien.

Freundschaft und Rückzug

Für Epikur war Freundschaft einer der wichtigsten Wege zum guten Leben, teils wichtiger noch als die Philosophie selbst, da sie Sicherheit und Vertrauen schaffe. Politisches Engagement empfahl er dagegen nicht. Sein Rat „lebe im Verborgenen“ meinte ein zurückgezogenes Leben abseits von Machtstreben und öffentlichen Ämtern, die er als Quelle von Unruhe und Gefahr ansah, ganz im Gegensatz zu Aristoteles‘ Bild vom Menschen als politischem Wesen.

Nachwirkung und Missverständnis

Schon in der Antike wurde Epikurs Lehre oft missdeutet. Das Wort „Epikureer“ steht in der Alltagssprache bis heute eher für zügellosen Genuss, obwohl Epikur selbst zu Mäßigung und einfachem Leben riet. In Rom machte ihn vor allem Lukrez bekannt, später griffen Aufklärer wie Pierre Gassendi und Denker der frühen Neuzeit seine Naturphilosophie und seine undogmatische Ethik wieder auf. Sein Gegenmodell, die Stoa, setzte statt auf Lust auf Pflicht und Gleichmut, und der Streit zwischen beiden Schulen prägte die antike Ethik über Jahrhunderte.