
Platon lebte von 428/427 bis 348/347 v. Chr. in Athen, in eine wohlhabende, politisch einflussreiche Familie hinein. Ursprünglich soll er den Beinamen Aristokles getragen haben, „Platon“ (der Breite) war vermutlich ein Spitzname wegen seiner Statur oder seines Stils. Als junger Mann wollte er Politiker werden, wandte sich aber ab, nachdem er die Hinrichtung seines Lehrers Sokrates 399 v. Chr. miterlebt hatte. Diese Erfahrung prägte sein Denken über Politik und Gerechtigkeit nachhaltig.
Die Akademie
Um 387 v. Chr. gründete Platon in Athen die Akademie, benannt nach einem Hain des Heros Akademos. Sie gilt als erste dauerhafte philosophische Lehreinrichtung des Abendlandes und bestand, mit Unterbrechungen, fast 900 Jahre, bis sie 529 n. Chr. unter Kaiser Justinian geschlossen wurde. Sein bekanntester Schüler war Aristoteles, der zwanzig Jahre dort blieb.
Die Dialogform
Anders als die meisten Vorsokratiker schrieb Platon fast durchweg Dialoge, mit Sokrates fast immer als Hauptfigur. Das macht seine eigene Position oft schwer greifbar, da er selbst nie direkt spricht. Ein Grund dafür könnte sein, dass Platon das lebendige mündliche Gespräch für überlegen hielt und dem geschriebenen Wort misstraute, wie er es im Dialog „Phaidros“ andeutet. Erhalten sind rund 30 Dialoge sowie Briefe, deren Echtheit teils umstritten ist.
Die Ideenlehre
Platons bekanntester Gedanke ist die Ideenlehre. Neben der Welt der Dinge, die wir mit den Sinnen wahrnehmen und die ständigem Wandel unterworfen ist, nahm er eine zweite, höhere Welt unveränderlicher, vollkommener Ideen an. Ein konkretes schönes Ding ist demnach nur deshalb schön, weil es an der Idee des Schönen teilhat. Ebenso gebe es die Idee der Gerechtigkeit, der Gleichheit oder des Guten. Die sinnlich wahrnehmbaren Dinge sind für Platon nur unvollkommene Abbilder dieser Ideen, echtes Wissen erreicht man daher nicht über die Sinne, sondern über das Denken.
Das Höhlengleichnis
Im siebten Buch der „Politeia“ veranschaulicht Platon diesen Gedanken mit dem berühmten Höhlengleichnis. Menschen sitzen von Geburt an gefesselt in einer Höhle und sehen nur Schatten, die von Gegenständen hinter ihnen auf eine Wand geworfen werden. Sie halten diese Schatten für die Wirklichkeit. Befreit sich einer und steigt aus der Höhle, blendet ihn zunächst das Sonnenlicht, doch allmählich erkennt er die wahre Welt draußen, mit der Sonne, die für die Idee des Guten steht, als höchstem Punkt. Kehrt er zurück, um die anderen zu befreien, wird er verlacht oder sogar getötet, eine Anspielung auf das Schicksal des Sokrates. Das Gleichnis steht für den Weg von der sinnlichen Täuschung zur philosophischen Einsicht und für die Aufgabe des Philosophen, andere daran teilhaben zu lassen.
Der ideale Staat
In der „Politeia“ entwirft Platon auch einen idealen Staat. Er gliedert ihn in drei Stände: die herrschenden Philosophen, die Wächter oder Krieger, und die Nährstände aus Handwerkern und Bauern, entsprechend den drei Teilen der Seele, die er als Vernunft, Mut und Begierde beschreibt. Nur wenn Philosophen herrschen oder Herrscher zu Philosophen werden, könne ein Staat gerecht sein, so seine vieldiskutierte These. Der Entwurf sieht unter anderem Gütergemeinschaft und Erziehung des Nachwuchses durch den Staat für die Wächterklasse vor. In der Neuzeit wurde der Entwurf, etwa von Karl Popper, auch als Vorlage für autoritäres Denken kritisiert, da er wenig Raum für individuelle Freiheit oder Kritik an den Herrschenden lässt.
Unsterbliche Seele
Platon vertrat, meist durch die Figur des Sokrates, die Vorstellung einer unsterblichen Seele, die vor der Geburt in der Welt der Ideen existiert habe und sich im Diesseits nur an sie „erinnere“. Diese Lehre von der Anamnesis erklärt im Dialog „Menon“, wie ein ungebildeter Sklavenjunge, richtig befragt, geometrische Wahrheiten selbst finden kann, weil er sie angeblich schon vorher gewusst und nur vergessen hatte. Im „Phaidon“ entwickelt Sokrates mehrere Argumente für die Unsterblichkeit der Seele, die philosophisch bis heute umstritten sind. Diese Vorstellungen wirkten später stark auf christliche Theologen wie Augustinus, der selbst zeitweise Neuplatoniker war.
Kritik und Nachwirkung
Platons eigener Schüler Aristoteles kritisierte die Ideenlehre scharf und hielt die Vorstellung eigenständig existierender Ideen für überflüssig und unbewiesen. Der Philosoph Alfred North Whitehead formulierte im 20. Jahrhundert die vielzitierte These, die gesamte europäische Philosophietradition bestehe aus einer Reihe von Fußnoten zu Platon, was die enorme Wirkung seines Werks unterstreicht, wenn man den Satz auch nicht wörtlich nehmen sollte. Über den Neuplatonismus, das Christentum und die islamische Philosophie reicht sein Einfluss bis in die Neuzeit.
