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Angriffe aus der Dunkelheit

Wikipedia-Autoren dürfen ungestraft Lügen verbreiten.

von Markus Fiedler – gefunden bei Rubikon.news

Als „Online-Lexikon“ profitiert Wikipedia noch immer von dem seriösen Image, das Lexika seit der Brockhaus-Ära genießen. Leser gehen einfach davon aus, dass stimmt, was drin steht. So kann man einen Menschen derzeit fast nirgendwo so wirkungsvoll fertig machen wie auf dieser intensiv genutzten Plattform. Missbrauch ist nicht nur möglich, er findet statt. Bestimmte Autoren können bei Wikipedia Schlüsselstellungen besetzen und massiv beeinflussen, was „draußen im Land“ als Wahrheit gilt, zum Beispiel in punkto Israel und Naher Osten. Das Schlimme daran: Opfer haben fast keine Möglichkeit, sich gegen Diffamierung zu wehren. Es sei denn, man findet heraus, wer über die Wikipedia Unwahrheiten verbreitet.

Stellen Sie sich vor, Sie werden in der Wikipedia verunglimpft. Nicht brachial, aber subtil. Sie könnten zum Beispiel Gabriele Krone-Schmalz heißen. Sie finden im einzig verbliebenen (Schein-)Lexikon einen Artikel über sich selbst – und beim Lesen desselben müssen sie sich erst einmal setzen.

Sie haben Bücher über Russland geschrieben, so weit so richtig in der Wikipedia. Aber die Editoren des Nachschlagewerks suchen zu allen Ihren Büchern stets die negativen Rezensionen heraus, die nichts Gutes über Ihre Bücher und Sie selbst zu berichten haben. Sowas gibt es nicht? Sie glauben das alles nicht?

Na dann lesen Sie sich doch einfach mal den Artikel über Gabriele Krone-Schmalz bei Wikipedia durch (1), oder sehen Sie sich die Sendung „Geschichten aus Wikihausen“, Folge 3, auf YouTube an (2). Darin wird dieser Rufmordkampagne im Detail auf den Grund gegangen. In den inzwischen entstandenen neun Folgen der Serie wird allerlei Groteskes aus den Tiefen der Wikipedia an das Tageslicht befördert.

Sie wundern sich? Wo ist denn das Problem? Man kann doch bei Verstößen gegen das Persönlichkeitsrecht die Schmierfinken verklagen! Wir leben doch in einem Rechtsstaat! Ja, Träumereien sind was sehr Schönes …

Das Problem ist, dass die allermeisten Wikipedianer anonym auftreten. Sie als Betroffener können nicht erkennen, wer Sie da unter dem Vorwand enzyklopädischer Genauigkeit in die Pfanne haut.

Auch können Sie die deutsche „Wikimedia“ nicht hierzulande verklagen – so ist derzeit die Rechtslage. Diese Wikimedia ist hauptsächlich die Instanz, die Geld für die Wikipedia einwirbt. Sie hat sehr wenig bis nichts mit der Masse der Benutzer der Wikipedia zu tun, außer dass diese ab und an ein paar Euro zugeschoben bekommen, damit sie sich zum Beispiel eine Fotoausrüstung oder eine Bahnfahrt für ihre emsige Arbeit in der Wikipedia leisten können. So lautet zumindest – in etwa – die öffentliche Darstellung.

Ja, was nun? Sie können natürlich Ihre Probleme direkt an die Wikimedia-Stiftung, die Betreiberin der Wikipedia, herantragen und diese nötigenfalls verklagen. Dumm nur, dass diese in Kalifornien in den USA residiert. Verklagen Sie die Stiftung doch einfach mal nach amerikanischem Recht. Viel Spaß!

Sie könnten natürlich versuchen herauszufinden, wer die Schreiber sind, die Sie in der Wikipedia verunglimpfen, und diese dann direkt zur Verantwortung ziehen. Das ist schwierig, aber nicht unmöglich. In den vorangegangenen Filmen „Zensur“ (3) und „Die dunkle Seite der Wikipedia“ (4) wurden bereits einige Klarnamen veröffentlicht. Jetzt ist es Dirk Pohlmann und mir gelungen, einen weiteren dieser Heckenschützen ausfindig zu machen, der in der Wikipedia sein Unwesen treibt:

In der Wikipedia heißt er „Feliks“ und er editiert unter anderem mit Vorliebe Artikel mit Bezug zum Nahen Osten. Und zwar sehen seine Einträge regelmäßig so aus, dass er den Staat Israel von der besten Seite zeigt und die umliegenden Nachbarn gerne als Barbaren darstellt. Sie können sich nicht vorstellen, wie das geht? Dann schauen Sie doch einfach die Sendungen 8 und 9 unserer Wikihausen-Serie, darin haben wir dies im Detail beschrieben.

Beispielsweise schreibt Feliks gerne Negatives zu den arabischen Nachbarn Israels. So etwa der Fall, dass einige Araber in der palästinensischen Ortschaft Taybeh 14 Häuser niederbrannten, weil ein Christ eine Muslimin aus dem Nachbarort geschwängert hätte. Diesen Fall erwähnt Feliks gleich noch ein zweites Mal im Artikel „Palästinensische Autonomiegebiete“.

Diese Einträge sind sachlich sicherlich korrekt. Allerdings entsteht im Zusammenhang mit anderen Einträgen eine sehr einseitige Ausrichtung, ein gewisses „Geschmäckle“. Vor allem ist auffällig, dass Dinge, die erwähnt werden und auch die Dinge, die nicht erwähnt werden, in der Regel in ein bestimmtes Schema passen. Der Mut zur Lücke scheint in der politischen und weltanschaulichen Ecke der Wikipedia System zu haben. Und das mit eindeutig zielgerichteten Absichten.

Waren nämlich etwa Gräueltaten der israelischen Armee beziehungsweise der israelischen Geheimdienste in der Wikipedia zu finden, werden diese von Feliks zwischenzeitlich gerne einmal gelöscht oder geschönt. Bis 2017 war beispielsweise zum israelischen Foltergefängnis „Anlage 1391“ in der Wikipedia ein kleiner Absatz zu finden, dass es dort Menschenrechtsverletzungen gegeben habe (5). Die Formulierungen waren dabei im Vergleich zu anderen Veröffentlichungen zum Fall noch sehr zurückhaltend. Diesen Absatz und die Foltervorwürfe löschte der Autor Feliks in Gänze am 15. Juni 2017 in mehreren Schritten. Unter anderem mit dem Kommentar: „(Menschenrechtsverletzungen) der Beleglage angepasst“ (6).

Hier wundert sich der Laie und staunt der Fachmann! Die „Beleglage“ zur Anlage 1391 sieht tatsächlich einigermaßen vernichtend aus: Der Guardian berichtete bereits 2003, dass Folter im Gefängnis die Regel sei; Vergewaltigungen „während des Verhörs – einmal durch einen Mann und einmal mit einem Stock“ wurden von einem Folteropfer beschrieben, das dazu einen Rechtsstreit startete (7). Weitere erschütternde Berichte dazu finden sich unter anderem im Spiegel (8), in RP-Online (9), in der taz (10) und auch in Berichten der UNO (11). Für Feliks ist das anscheinend keine ausreichende Beleglage, um die Erwähnung der Menschenrechtsverletzungen im Artikel zu belassen.

Nach unserer Sendung vom Juli 2018 wurden die gelöschten Menschenrechtsverletzungen wieder eingetragen – jedoch nur, um danach wieder in Teamarbeit von den Wikipedia-Autoren „Feliks“ und „David Navan“ Stück für Stück gelöscht oder schöngeschrieben zu werden. Feliks macht da beispielsweise aus den „Folterungen in der Anlage 1391“ „Beschwerden über angebliche Folterungen in der Anlage 1391“. Er schreibt im Versionskommentar dazu: „(Foltervorwürfe:) gemäß Quelle. Dass irgendetwas die Vorwürfe bestätigt hätte, ist der Quelle nicht zu entnehmen“ (12). Gemeint ist mit der Quelle der bereits erwähnte Artikel im Spiegel, in dem von über „600 Beschwerden über Misshandlungen“ die Rede ist. Feliks glaubt diesen Beschwerden anscheinend nicht.

Dieses Verhalten zieht sich wie ein roter Faden durch Feliks‘ Editierverhalten in der Wikipedia.

Interessant ist auch, dass er häufig Personen in der Wikipedia diskreditiert, die etwas gegen den israelischen Staat sagen oder Mitglieder einer wie auch immer gearteten Querfront sind.

Das beinhaltet auch Löschungen von positiven Einträgen wie etwa im Falle des Journalisten Ken Jebsen (13, 14) – hier ist Feliks mit 25,7 Prozent Textanteil derzeit Hauptautor (15) – oder das Hinzufügen von diskreditierenden Textabschnitten (16) wie zum Beispiel bei der Schriftstellerin Katrin McClean. Feliks ist auch da mit stolzen 68 Bearbeitungen beziehungsweise 34,7 Prozent Textanteil Hauptautor im Artikel (17).

Seltsames Verhalten zeigt er bezüglich der Partei „Die Linke“. Es gibt dort Parteigenossen, deren Wikipedia-Artikel er neutral bis positiv bearbeitet. Der Artikel von Klaus Ernst ist so ein Beispiel. Es gibt aber auch Linke, die bei ihm nicht so gut wegkommen, wie zum Beispiel Annette Groth. Sie war unter anderem bei der Hilfslieferung an Gaza, „Ship to Gaza“, dabei, welche durch die israelische Armee mit Waffengewalt geentert und – nebst Ermordung von neun Passagieren – gestoppt wurde. Groth nimmt bekanntermaßen eine sehr kritische Haltung zum Staatsapparat Israels ein. Ihr widmet Feliks einen ganzen Absatz:

„Erneute Teilnahme an Gaza-Flotille und Unterstützung der BDS-Kampagne. Nach ihrem Ausscheiden aus dem Bundestag kündigte Groth an, im Juli 2018 erneut an einer geplanten Gaza-Flotille teilzunehmen. Der Parteivorstand hat sich mittlerweile von den Ansichten der ‘Israel-Kritiker’ um Groth distanziert. Ihnen wird ‘fehlende Distanz zu islamistischen Gruppen mit offen antisemitischen Positionen’ sowie ‘einseitige Schuldzuweisung’ vorgeworfen. Groth unterstützt auch die Kampagne Boycott, Divestment and Sanctions, die inzwischen sogar von ihrer Partei offiziell als antisemitisch eingestuft wird“ (18).

Hier wird die Meinung des Parteivorstands zum Thema „Antisemitismus“ unter dem Vorwand enzyklopädischer Genauigkeit in die Wikipedia übertragen. Und das, ohne wirklich eine Sachprüfung der schweren Vorwürfe vorzunehmen. Wir könnten hier auch sagen: „Dass irgendetwas die Vorwürfe bestätigt hätte, ist der Quelle nicht zu entnehmen.“ Hier ist Feliks offensichtlich aber großzügiger, was seine Quellenarbeit anbelangt. Unabhängig davon, dass der Antisemitismusvorwurf im thematischen Zusammenhang äußerst fragwürdig ist und zu einigen Kontroversen führt, ist er mit Bezug auf Frau Groth ungerechtfertigt und als Rufmord zu werten. Zusätzlich garniert Feliks den hinzugefügten Absatz mit dem zynischen Kommentar im Versionsunterschied: „‚Ende Juli brechen wir die Blockade‘ – Na dann mal Mast- und Schotbruch!“ (18).

Der Vollständigkeit halber soll erwähnt werden, dass der Autor Feliks unseren Beobachtungen vehement widerspricht und eine ganz andere Sicht auf die Dinge hat (19). Dass dieser Autor kein Interesse an einer neutralen Berichterstattung in der Wikipedia hat, wird für uns allerdings an zahlreichen ähnlich gelagerten weiteren Beispielen klar.

Laut eigener Aussage hat er 51 Artikel zu Parteimitgliedern von der „Linken“ editiert (20).

Wenn man jetzt noch weiß, dass der Autor im realen Leben tatsächlich Mitglied der Linkspartei ist beziehungsweise dieser lange angehörte, dann wird es doch interessant. Wir haben hier einen „Heckenschützen“, wie es Dirk Pohlmann in Sendung 9 der „Geschichten aus Wikihausen“ ausdrückte. Und dieser Heckenschütze diskreditiert aus der Anonymität heraus seine Parteigenossen.

Ist das nicht parteischädigendes Verhalten? Wie sollte man mit so jemandem umgehen? Wenn man zusätzlich weiß, dass er im Landesverband Bayern eine verantwortungsvolle Stelle innerhalb der Partei innehatte und dass es während seiner Amtszeit zu Unregelmäßigkeiten kam, wird klar: Spätestens ab hier besteht ein öffentliches Interesse an der Veröffentlichung seines Klarnamens!

Aber das dürfen wir nicht, sagt zumindest sein Rechtsanwalt. Er gibt in einem Schreiben vom 24. August 2018 an, das Pseudonym „Feliks“ zu vertreten und warnt uns unter Androhung von Rechtsschritten vor der Veröffentlichung des Klarnamens, der übrigens vorsorglich auch im Rechtsanwaltsschreiben nicht erwähnt wird. Der Rechtsanwalt betont ausführlichst die Persönlichkeitsrechte des Pseudonyms „Feliks“ und mag auch kein öffentliches Interesse an dem Fall erkennen.

Wir haben volles Verständnis dafür, dass Feliks anonym bleiben möchte. Das würden wir in seiner Situation auch gerne. Leider bewerten wir den Fall jedoch ganz anders. Für uns steht fest, dass hier jemand offenbar die Wikipedia aus der Anonymität heraus als Propaganda- und Diskreditierungswerkzeug missbraucht und auf die Regularien der Wikipedia und ganz nebenbei auch auf ein einigermaßen verträgliches Sozialverhalten pfeift.

Wenn Sie wissen wollen, wer Feliks im wirklichen Leben ist, abonnieren Sie den Kanal der Gruppe 42 auf YouTube (21) und schauen Sie sich die kommende Folge 10 von „Geschichten aus Wikihausen“ an.

Quellen und Anmerkungen:

(1) https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Gabriele_Krone-Schmalz&oldid=175288991 (2) https://www.youtube.com/watch?v=f6eon2C-Id4 (3) https://www.youtube.com/watch?v=tef7bgwInjY (4) https://www.youtube.com/watch?v=wHfiCX_YdgA (5) „Anlage 1391“ – Versionsunterschied vom 14.06.17, 20:57 Uhr. https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Anlage_1391&oldid=166391971 (6) „Anlage 1391“ – Versionsunterschied vom 15.06.17, 11:21 Uhr. https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Anlage_1391&diff=166410856&oldid=166410504 (7) Chris McGreal: Facility 1391: Israel’s secret prison. The Guardian, 14.11.2003 https://www.theguardian.com/world/2003/nov/14/israel2 (8) Uno untersucht Foltervorwürfe in Israel. Spiegel. 05.05.2009. http://www.spiegel.de/politik/ausland/geheimes-gefaengnis-uno-untersucht-foltervorwuerfe-gegen-israel-a-623053.html (9) UN-Anti-Folter-Komitee kritisiert Israel. RP-Online. 05.05.2009. https://rp-online.de/politik/ausland/un-anti-folter-komitee-kritisiert-israel_aid-12145429 (10) Jonathan Cook: Anlage 1391. taz. Übernommen aus „Le monde diplomatique“ 14.11.2003. http://www.taz.de/!681130/ (11) Report of the Committee Against Torture: Forty-first Session (3-21 November 2008); Forty-second Session (27 April-15 May 2009). http://www.refworld.org/pdfid/4ae5b5f12.pdf (12) „Anlage 1391“ – Versionsunterschied vom 03.08.18, 11:27 Uhr.https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Anlage_1391&diff=179684625&oldid=179675213 (13) zum Beispiel https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Ken_Jebsen&diff=147139757&oldid=146831315 (14) zum Beispiel https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Ken_Jebsen&diff=next&oldid=129170483 (15) Statistikseite zum Artikel „Ken Jebsen“. https://xtools.wmflabs.org/articleinfo/de.wikipedia/Ken_Jebsen?uselang=de (16) zum Beispiel https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Katrin_McClean&diff=137830509&oldid=134299310 (17) Statistikseite zum Artikel „Katrin McClean“. https://xtools.wmflabs.org/articleinfo/de.wikipedia/Katrin_McClean?uselang=de (18) „Annette Groth“ – Versionsunterschied vom 27.06.18, 23:46 Uhr. https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Annette_Groth&diff=prev&oldid=178685393 (19) Zitat „Die ganz überwiegende Mehrzahl der Bearbeitungen dort hat nichts mit Israel zu tun, und nicht mal alle der 6 rausgegriffenen Artikel passen ins Raster “für Israel hui, gegen Israel pfui” (Klaus Ernst ist mitnichten Israelfreund und Kornelia Möller mitnichten exponierte Israelgegnerin), aber wozu Fakten, wenn man ohnehin schon die Wahrheit kennt.“ Feliks, 17:59, 21. Aug. 2018. https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Benutzer_Diskussion:KarlV/Wissen_ist_Macht_%E2%80%93_%C3%BCber_helle_und_dunkle_Seiten_der_Wikipedia&diff=180213138&oldid=180211370 (20) ebenda Zitat, Feliks: “Von den über 3650 Artikeln, die ich bearbeitet habe, handeln übrigens 51 von Politikern der Linken bzw. PDS (1,4 Prozent).“ (21)https://www.youtube.com/results?search_query=gruppe+42

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